Shakespeare Company Berlin

The Whole Worlds\’s a Stage

Wir geben nochmal alles… shake newsletter vom 6.9.

Filed under: Allgemein — 06. September 2007
shake!
Wir geben nochmal alles.

 

Liebe Freunde, Shakespeare Company und Shakespeare Kids
Interessierte, Begleiter, Neugierige.
Nach 3 Jahren am Ostbahnhof steht in den nächsten Wochen
die vorübergehende Schließung des Zeltes an:
Der Spreepark wird angelegt.
Bevor wir uns hoffentlich im April zur Parkeröffnung
mit Shakespeare und Zirkus-Spektakel wiedersehen,
geben wir nochmal alles.


Für alle, die unsere aktuellen Produktionen "Romeo und Julia" (Shakespeare Company) und "Der Kaufmann von Venedig" (Shakespeare Kids) noch nicht gesehen haben, noch einmal sehen wollen, unbedingt weiter empfehlen wollten, tun dies bitte jetzt…
wir freuen uns!

Die vorläufig letzten Spieldaten bis zur
Shake Abschlussfeier am 20. September 2007:

 

Do. 6.9. 20:30h Romeo und Julia
Fr. 7.9. 20:30h Romeo und Julia
Mi. 12.9. 11:00h Romeo und Julia
Do 13.9. 20:30h Romeo und Julia

Fr. 14.9. 20:30h Romeo und Julia
So. 16.9 15:00h Kaufmann von Venedig
Mi. 19.9. 11:00h Romeo und Julia
Do. 20.9. 20:30h Romeo und Julia

 

Zwölf… Hä?

Filed under: Allgemein — 24. August 2007

Uta? *Räusper*

Ja bitte, meine Liebe, was möchtest Du rausräuspern?Laughing

Ja, ja, was bissl nölen nicht alles wieder in Gang bringt. Ob bei mir oder auch anderen – ja ja, es standen heute in der Statistik plötzlich 12! 12 Lesungen UND UTA! Und auch wenn ich 11 mal selber KORREKTUR-gelesen hab oder so… UTA! Liebes Augenpaar, dies ist allein für DICH:

Kiss

Wunderschönen Tag!

Tatjan'schen

 

Erfolg folgen ErdnussButterBananenToasts

Filed under: Allgemein — 23. August 2007

War eben in der Blog-Statistik und habe gesehen, dass keiner mehr mitliest hier – bzw habe nicht mehr gesehen, dass einer mitliest und bin seltsam befreit.

Nicht dass ich das nicht wüßte, dass mich die Abwesenheit von Augen befreit. Lampenfieber hat doch weniger mit der realen Anwesenheit anderer Menschen zu tun, als mehr mit dem eigenen Hirn und der Beurteilung: Was ich denke, das die denken.

Und so bewahrheitet sich wieder einmal der Obertherapiesatz, ich hätte diese ominöse "Angst vor Erfolg". Was nicht falsch, aber ungenau ist: keiner hat Angst vor dem Klischee des Erfolgs. Ein Klischee ist es ja für mich, weil ich nicht weiss, was ERFOLG ist. Was FOLGT daraus? Ich halte es für weise, Respekt vor der Ahnung der ECHTEN KONSEQUENZEN DES ERFOLGS zu haben. Man kann dann z.B. irgendwann nur noch ErdnussButterBananenToasts essen.

Gibt es eigentlich ein Gesetz wie lange man das Schild "Neueröffnung" hängen lassen darf? Ist ja schon so, dass neu eröffnet erst mal Menschen zieht und dass ich es seltsam finde, wenn das Schild auch nach einem Monat noch hängt.

Jedenfalls geht es mir mit meiner sogenannten Persönlichkeit so, dass sie sich andauernd selbst erfinden und neu eröffnen will. Die alte Persönlichkeit hatte sich irgendwie nicht bewährt, rentierte nicht (wie der Schweizer das Wort "Rendite" sogar als Verb nutzt!): Sie brachte nicht die richtige Zufriedenheit, den richtigen Umsatz, erreichte keinen Break-Even oder Break-Through. Die Augen guckten skeptisch.

So eröffnete ich dem jeweils wichtigsten Augenbesitzer, meinem jeweiligen Freund dann jeweils: Ich habs jetzt begriffen und habe mich total verändert, ich bin jetzt ganz neu (und kompatibler!). Damit die Augen wieder so mit Liebe gucken sollten, so wie am Anfang.

Der Schlauste meiner Freunde brachte zu solchen Persönlichkeitsneueröffnungen immer den Spruch: People don't change.

Jedenfalls nicht mehr, wenn Sie erst Erfolg haben und die Publikums-Augen dann immer dasselbe sehen wollen.

 

Zweifel und Phänomenologie

Filed under: Allgemein — 16. August 2007

Bin für 10 Tage in Zürich.

Neben der Website sind auch Vorbereitung auf den Herbstspielplan der Kids und Newsletters ins Leben rufen Thema.

Von Papa einen todschicken neuen Palm bekommen. Bugaboo-rot! Meine Schwester hat einen Kinderwagen und ich einen Palm.Tongue out Und so kommuniziert jeder, wie er es muss.

Ziemlich genau vor einem Jahr begann meine pre-midlife Krisis mit Palmlosigkeit: Er wurde mir gestohlen, am Abend bevor meine Schwester heiratete. Ich riss mir in der Alten Kantine gerade einen one night stand auf, bei welcher Gelegenheit mir meine Tasche geklaut wurde mit Hausschlüssel und allen Ausweisen… es sah kurz aus, als könnte ich nicht nach Zürich fliegen am nächsten Morgen früh und die Hochzeit meiner Schwester verpassen! mit dem richtigen Mann dem richtigen Kind unterwegs in der richtigen Wohnung-bezahlt-mit dem richtigen Job und daneben auch noch einer florierende Zweit-Karriere als Puppenspielerin mit einem Zweit-Salär, dass das Doppelte meines Einzigen war… Anyway. Bis auf den Palm wurde alles auf dem Männerklo wiedergefunden und ich ging zur Hochzeit. Und auch gerne. Und mit Zweifeln und phänomenologisch war alles so, wie es sein sollte.

Und jetzt bin ich für 10 Tage hier. Die Krise ist gemeistert, vorallem Indien im Februar brachte einen Umschwung.

Nach wochenlanger innerlicher Schelterei, dass ich nicht täglich blogge, kam auch wieder ein anderer starker Zug zum Zug, den die Erfinder in diese Menschinnen-Maschine (ohne Bedienungsanleitung) eingebaut haben: das Gegenteil von Zweifel.

Nein, das Gegenteil von Zweifel ist nicht Sicherheit, sondern das ist Phänomenologie.

Dinge sind, wie sie sind und auf einer gewissen Ebene, sind sich da auch alle einig: Wasser ist nass. Das ist keine Einstellungs,- oder Perspektivenfrage. Es ist, wie es ist und deswegen nicht unspannender, wenn man sich drauf einlässt, auf die Nässe des Wassers und wie faszinierend das eigentlich ist.

Dinge sind durchaus auch aus einem "Grund" wie sie sind.

Bzw. da kann man was daraus lesen, dass sie sind, wie sie sind.

Als Bloggerin der "Shakespeare Company" hatte ich seit der Premiere nicht mehr wirklich was zu berichten. Die Frage ist auch hier wieder: Wozu dient diese Seite jetzt genau? Ist das mein Privatvergnügen oder diene ich einer höheren Sache. (Aber ich habe das Gefühl, dass mein Privatvergnügen einer höheren Sache dient hahaha. – Ruhe jetzt!!)

ICH BIN zwar die Shakespeare Company, aber das sind einige andere auch. Und so kann ich hier nicht wirklich reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist, weil es da auch ab und zu um andere Menschen geht. Und auch wenn ich das bisher in meinem Leben nicht so ernst nehmen konnte, wie es anderen geht mit den Dingen, die ich über sie sage, ist es für mich ein Zeichen der Reife, dass ich ernst nehme:

Wer nicht einstecken kann, sollte auch nicht austeilen.

Ich will ja so gerne ein Rebell sein. Rebells have more fun! Aber dann war ich auch immer schon Buddhist und wo passt das denn zusammen?

Madonna hing als "Boy Toy" in Hochzeitskleid über meinem Bett während meiner Teeniezeit. Aber auch Madonna hat die Effekte von Karma eingesehen und teilt nicht mehr so aus. Sie ist auch weniger unterhaltsam und energetisch, aber dahin will ich jetzt heute morgen wirklich nicht.

Wie sagt Gott zu Evan Allmächtig: ARK. Acts of random kindness.

Oder: Verlassen Sie den Ort, wie Sie ihn vorzufinden wünschen. Beim Klo ist das ein bisschen einfacher, als bei der Welt.

Und dann und wann ein weißer Elefant…

Filed under: Fort Shakespeare — 09. August 2007

Der Herr hat wieder eine gute Runde gegeben und genommen: Mein Geldbeutel z.B. ist aufgetaucht, kurz nachdem ich die EC Karte hatte sperren lassen… Ich habe der Frau am Postbankschalter sogar noch mit Nachdruck gesagt: Ich lasse die Karte jetzt sperren, damit der Geldbeutel auftaucht und echt keine 15 Minuten später ruft Eli an: Hab deinen Geldbeutel gefunden: er lag im Schminkkoffer! Da hatte ich ihn dann wohl auch noch selbst reingelegt. Selbst rein gelegt.

Dann kam meine kleine Schwester mit Neffe zu Besuch.

Dann kam mein Schwager.

Dann zog mein Untermieter aus (und ich suche übrigens eine/n ab Ende August für : möbliertes 25m2 Zimmer in 85m2 Stuck-Flügeltüren-Dielen-Vollsaniert-3-Zimmer-Altbauwohnung mitten am Kollwitzplatz für 300.-€ , bitte weitersagen!)

Dann gingen auch Schwester-Schwager-Neffe wieder und wir gingen auf Gastspiel: Schloss Namedy.

Dann kamen meine Eltern.

Dann ginen wir nach Calw und spielten im Eis-Regen. Und alle 7 + 450 Schwaben blieben sitzen. Uns wurde gesagt: Weil sie uns so toll fanden. Wir fanden uns nicht untoll, aber meinten, die Schwaben bleiben wahrscheinlich hauptsächlich deswegen, weil sie bezahlt haben. Jedenfalls haben wir auch einen Beschwerdebrief hinterhergeschickt bekommen, warum die Amme denn "Julia, Zähneputzen" sagt und solche Albernheiten und warum da ein Kater mit einer Espressotasse über die Bühne läuft (das ist der schwarze Peter, die schwarze Clownsnase hat schwarze Gummibänder… im Regen könnte das schon wie eine Katze aussehen…) Und wir sollten uns doch bitte rechtfertigen und bei ihm entschuldigen.

Dann kam mein Bandscheibenvorfall.

Dann kam Markus.

Dann gingen meine Eltern wieder.

Unterdessen war die neue Zeltfraktion gekommen. Und damit der Erdrutsch. Der Herr sah erstmal aus, als würde er geben, aber Illusionen nahm er mal wieder gewaltig… Da hat man sich gerade 5 Wochen in einem neuen Vorstand zusammengerottet und einen neuen Schub für Globetheater Baupläne mit TU Studenten ausgehandelt, da kommt ein Trupp berühmter Zirkus,- und Kindermotivationskünstler und sagt: Lass uns den Karren (das Zelt) aus dem Dreck ziehen, alleine schafft ihr das ja offensichtlich nicht.

Ein wahres Wort gelassen ausgesprochen, aber…

Es war der 27.7.2007 und wir trafen uns alle bei Zeltbesitzer 1. Das rief unter dem Company Vorstand schon ziemliches hallo hervor, denn es ist bei Fusionsgesprächen ja wesentlich, wer zu wem kommt, wer Gastgeber ist, das ist alles schon eine wesentliche Spielvoraussetzung, wie Gegenlicht oder so. Aber da das Aufregen erst einen Tag vor der Versammlung laut wurde, siegte mein Einwand, dass es dafür doch jetzt dezent zu spät sei, dass man sich in solchen Fällen echt fristgerechter aufregen müsste, oder ob wir jetzt echt allen hinterher telefonieren sollen, um sie woanders hinzubestellen.

Das war denn der nächste Störfaktor: Zeltbesitzer 2 kam mit allen möglichen Leuten, die sie vorher nicht angekündigt waren und hatten somit mehr Spieler auf ihrer Seite des Tisches. DIE SCB

(endlich trifft der olle nach "Sportverein" klingende Ausdruck Shakespeare Company Berlin mal zu Laughing )

DIE SCB war also voll in der Unterzahl und als dann unser Mitspieler 3 schon nach etwa einer Stunde Gesprächszeit einen Anruf erhielt, demonstrativ laut sprechend vom Tisch aufstand, um in den Flur zu gehen, ewig wegblieb und nur noch kurz den Kopf zur Tür reinstreckte, um zu verkünden: Er ginge jetzt, da waren wir nur noch zu zweit.

Erdrutsch. Ich kann mein Gefühl nicht besser beschreiben. Eben noch fühlte ich mich "an der Spitze" eines kleinen feinen Dreiecks und hatte vorpreschende Größenwahnvorstellungen, dass wir es wirklich schaffen könnten, ein Globe-Theater in diesen neuen Spreepark zu bauen und zwar aus den richtigen Gründen, mit den richtigen Inhalten: Storytelling mit Shakespeare für alle, Bildung, Kinder und Jugendliche, das Globuli ist das Heilmittel gegen das Präkariat… und schwups wird klar: Baby, das ist eine interdependente Realität, da hängt wesentlich mehr dran, als du dir in deinen Sonntags-Vormittags-Heldencomic-Visionen so ausmalst, da ist ein gigantisches Dreieck und es hat sich gerade mal wieder so gedreht, dass du ganz unten hängst…

Jedenfalls sitzen wir jetzt fleißig zusammen und stricken zusammen Konzepte, schmeißen alle Ideen in einen Topf, versuchen zu vermeiden, dass es einfach nur "Ein Kessel Buntes" wird, von Grenztheater und Mauerspielen über Zirkussonntagen mit Kindern und Improshows und Shakespeare Kids und auch ab und an Shakespeare von der SCB.

Und dann und wann ein weißer Elefant…

Die Natur gibt… die Natur nimmt…

Filed under: Allgemein — 18. Juli 2007

Sonntag zum zweiten Mal in Boitzenburg in der Uckermark. Bespielt wird eine wunderschöne Klosterruine.

Gleich im Anschluß an "Robin Hood" auf der großen Bühne gespielt. Brandenburgische Kieinkinder auf der Wiese in der ersten Reihe, quietschfidel kommentierend, lachend, glucksend. Haben nicht ganz genau den Umbruch in die Tragödie mitgekriegt, aber wer kann ihnen das verübeln.

Nach der Vorstellung wurde es plötzlich wieder sehr feucht und sehr dunkel. Die Spiegel beschlagen sich und man sieht nicht mehr die Hand vor Augen.

Diesmal etwas mehr Infrastruktur als auf der improvisierten Bretterbühne der Woche davor, wo wir uns noch vor dem Autospiegel schminken mussten und auch zum Einsammeln der Requisiten die Busscheinwerfer auf die Hinterbühne richten mussten.

Von den Mücken fang ich an dieser Stelle gar nicht an. Tot spielen, während man in Tat und Wahrheit bei lebendigem Leibe aufgefressen wird… Hamlets Frage: Oh Tod, wo ist dein Stachel, bekommt einen aktuellen Kontext Yell

Die Natur. Wenn sie dann wieder mal so richtig ursprünglich natürlich, wie Gott sie schuf, um einen herum ist… Wald, Wiese, Heuhaufen, Mücken, Bremsen, Schafe, Pferde… versteht man schlagartig wieder, warum die Menschen Angst vor der Dunkelheit haben…

Mein Scheidungskind Hermia, der Jack Russell Terrier, den ich für 2 Wochen zu Besuch habe, hatte mich schon kurz vor der Vorstellung in Panik versetzt, als er über eine halbe Stunde lang vom Wald verschluckt schien. Ich ging rufend durchs Unterholz und sah erst dann, dass überall wunderschöne Moortümpel unter den langen Gräsern versteckt lagen… sah Horrorszenarien, wie der Hund sich verheddert und qualvoll strampelnd ertrunken war… ach hätte ich sie doch gar nicht freigelassen oder wenigstens alle 10 Minuten nach ihr gesehen.

Solche Situationen bringen meine Unzurechnungsfähigkeit ans Licht. Innerer Reichsparteitag für meinen Ex. Ich kann doch nicht alle Tassen im Schrank haben, den Stadthund einfach so alleine losdüsen zu lassen an einem fremden Ort… Das wird eines Tages ins Auge gehen. Irgendwann kommt er nicht wieder, eines Tages.

Bua!!! Ich respektiere den Freiheitsdrang des Tieres. Lasse schliesslich auch eine Meersau für 8 Euro frei in der Wohnung rumlaufen und mit seiner ätzenden Pisse die Dielen für 2000.-€ ruinieren. Da wird doch der Hund noch bissl in Freiheit rumtoben dürfen, bevor er die Vorstellung über im Bus verstaut wird.

Sie tauchte völlig zerfleddert und vermatscht wieder auf, in brauner Schlammkriegstarnung, sah aus wie Tom Berenger in Platoon.

Aber Hermia kann man auch in der Semidunkelheit noch von weitem sehen, weil sie weiß ist.

Ganz im Gegensatz zu meinem Geldbeutel.
Egal wie ich nach ihm rief, mein Geldbeutel tauchte bis heute noch nicht wieder auf. Er ist schwarz und liegt irgendwo in der Pampa Brandenburgs und ich habe keine Monatskarte mehr, keine Versichtertenkarte, keine Visa und keine EC Karte, um das kein Geld von meinem Konto abzuheben, dass da nicht drauf ist.

Toll.

You Live You Learn – oder TOGETHER!

Filed under: Shakespeare Kids — 10. Juli 2007

„Erzähl mir und ich vergesse. Zeig mir und ich erinnre. Lass es mich tun und ich verstehe.“

Ich denke viel über das Lernen nach die Tage. Plane für Ende nächstes Jahr mit meiner Super-Choreographin und Lebens-raum-begreiferin einen Shakespeare für die Großen und die Kids.

Hier schmeisse ich mal den ersten Entwurf ins Netz, den sie mir mal so zwischen Tür und Angel geschickt hat… Finger lickin' good, wie der Typ von Kentucky Fried Chicken immer gesagt hat!!!

Dialog zwischen den Großen und den Kleinen, den Einen und den Anderen. Nichts wird in unserer Gesellschaft so anders erlebt als Kindsein – im Vergleich zum Erwachsensein. Kinder sind frei, klein, unselbstständig, müssen erzogen werden, sind anstrengend, fordernd, nerven, vor allem spielen sie und ihr Spiel ist Ernst. Immer. Ihr ganz eigener, wertfreier, existentieller Ernst. Sie sind wahrhaftig sich selbst gegenüber – wenn man es ihnen nicht austreibt.

Pubertät als Wandlungsphase: der merkwürdig hohle, trockene Ernst der Erwachsenen wird probiert, übergestreift wie zu große Kleider, wie ein Kostüm. Die Optik – Bart wächst, Masken legen sich auf Lippen und Lider – ändert sich. Der Körper auch, und mit ihm die Empfindungen. Wie der Körper größer wird, mehr Raum fordert, fordern auch Seele und Geist mehr Raum.

„Sein oder Nicht-Sein“ – Hamlet kann ein Lied davon singen. Interessant daran ist die Alternative: entweder etwas ist oder es ist nicht. Das „Nein“ ist eine Erfindung des Erwachsenen, wie etwas Drittes, Künstliches, das sich abhebt vom Organisch-Natürlichen „Sein oder Nicht-Sein“. So sind die Pubertierenden verwirrt, in vielerlei Hinsicht und im Speziellen durch dieses artifizielle „Nein“, diesen merkwürdigen Ernst der Erwachsenen, der sich erst langsam erschließt (den man sich anerzieht?).

Das Wort, das einerseits tötet und andererseits Leben einhaucht. „Du sollst den Namen des Herrn nicht unnütz im Munde führen.“ Weil Du Ihn sonst möglicherweise tötest in Dir. Aber nenne ihn im richtigen Moment, im richtigen Zustand und Du wirst unsterblich.

Das Theater: Dialog. Worte. Rollen. Möglichkeiten. Emotionen. Gedanken. Seele. Körper.

Die Unesco hat für die Schule des 21. Jahrhunderts vier tragende Säulen formuliert:

Learn to know:
Zu lernen, wie man effektiv lernt und auf ein lebenslanges Lernen vorbereitet zu sein.
Learn to do:
Zu lernen, wie man handlungsfähig wird, beruflich, öffentlich und privat.
Learn to be:
Zu lernen, wer man ist und eine sozialfähige Ich-Identität zu entwickeln.
Learn to live together:
Zu lernen, in einer demokratischen und vielfältigen Gesellschaft zu leben, und mit anderen gemeinsam handeln zu können.

Grosse Fahrt!

Filed under: Allgemein — 07. Juli 2007

Heute erster Abstecher nach "Speyer". Limburgerhof. 8 Stunden hin. 9 Stunden zurück, direkt nach Boizenburg, das Open Air Theater in der Nähe von Berlin. Es regnet seit Tagen.

Mal sehen wie sich die neue Truppe im 9-Sitzer bekommt. Gerüchte gegen herum, dass sich die zweite "Beziehung ausserhalb" in arger Krise befindet… die erste Trennung hatte sich einige Tage nach der Premiere… I'm just kidding Cool

Home is where the heart is.

Tatja

Hund beißt Kinderwagen

Filed under: Allgemein — 06. Juli 2007

Gestern letzte Kids Probe vor Sommerferien. War keine Probe in dem Sinne, sondern eine Fotographin von der Morgenpost kam, um für einen Artikel über die Kids ein Begleitphoto zu schießen. Danach sahen wir eine Dokumentation über "Gewalt und Kindheit", den eine Mutter, die Dokumentar-Filmerin ist, fürs Fernsehen gedreht hatte. Als Altervernative zu Videospielen wurde das Theaterspielen bei den Shakespeare Kids gezeigt: Man sah dann die Kiddings sich gegenseitig bis auf den letzten Mann abschlachten mit Luftdegen (eine gestellte Szene aus "Macbeth") zur Musik von James Brown: this is a man`s world.

Zu dieser world gehör ich auch und werde immer mehr A Man. Als vorgestern etwas nicht so lief, wie ich es mir erwünscht hatte, sagte ich: "Ich fühle mich kastriert. "Und so fühlte es sich wirklich an. Ausgeschabt, hohl, leer, abgekämpft.

Ich traf mich mit meinem Business Coach im Einstein unter den Linden und konnte wenigstens sagen, dass ich zum ersten Mal da war. Ich wurde auf eine Latte für 4.-€ eingeladen und mit zwei wichtigen Damen der high society bekannt gemacht. Wenigstens ging mir "dabei keiner ab". Ich weiss, dass es für mein Ziel "Das Globuli – Heilmittel gegen das Präkariat" wichtig ist und so ertrag ich die Wichtigtuerei. Mein Ego jedenfalls gibt mir nicht mehr das Gefühl, dass hier gerade das WUNDERBARE passiert.

Ich werde aggressiv. Ich werde ungerecht. Es gibt immer mehr Gelegenheiten, mich nicht nach kategorischem Imperativ zu benehmen. Und ich bin traurig.

Eine Horoskopdeuterin sagte meiner Mutter mal, sie sei Kindergärtnerin geworden, um Macht über die Kinder auszuüben. Dass sie das antörnt. Wir waren alle relativ entsetzt, meine Mutter war geschockt, wir sagten: Was für eine blöde Kuh, diese arrogante Ziege von Horoskopdeuterin – aber es war nicht nur unwahr, die Aussage.

Wenn ich immer wieder sage, ich scheue noch davor zurück, Regie zu führen, weil ich mit dem andauernden Zweifel der Schauspieler nicht umgehen kann, so stimmt auch das Gegenteil: Die Kids zweifeln nicht alle 5 Minuten an mir. Nicht weil sie wissen, dass ich Recht habe, sondern weil der Zweifel noch nicht so institutionalisiert ist bei ihnen. Und sie haben keine Wahl. Ich gewinne eh – meine Macht ist so eindeutig größer. Nutze ich das aus? Nutze ich die Kids nicht doch irgendwie aus? Zur Selbstbefriedigung? Mindestens, um ihnen "den Erfolg zu schenken", den ich gerne gehabt hätte? Als Kind hat man ja irgendwie mehr Chance, als Künstler aufzufallen, weil es nicht so viele gibt…

Da war ein berührender Artikel in der FAZ. HUND BEISST KINDERWAGEN. Ein Artikel über den Bildband "Berlin" – Über dem Artikel: Ein Foto eines Tanzbärs, der durch die Straße geschleift wird.

"Berlin ist vieles und hat alles, nur eines wollte es nie sein: eine Kinderstadt. Natürlich kann man dort wunderbar mit Kindern leben und Millionen Mädchen und Jungen in Berlin sind glücklich gross geworden. Doch jeder, der mit Kindern oder als Kind in der Hauptstadt gewohnt hat, weiß wie schwer es sich manchmal mit kleinen Menschen tut – um dann festzustellen, dass es anderswo in Deutschland auch nicht anders ist. (…)

Man sieht immer wieder fröhliche Kinder, denen das Lachen auf eigentümliche Weise im Hals stecken zu bleiben scheint. Das ist kein Wunder, denn die Geschichte Berlins ist nie im Kinderschritt gegangen. Von Anfang an hatte es die Stadt eilig, erwachsen zu werden. Zwei Generationen Zeit nahm sie sich, um von der preussischen Residenz zur Weltstadt anzuschwellen, dieses Tempo überfordert jedes Kind.

Dann kam eine Diktatur, die Kinder an die Front schckte, dann der Mauerbau, dann wurden die armen Kinder nach Westdeutschland verfrachtet, damit sie auch einmal eine Kuh sehen. Dann fiel die Mauer, Berlin wurde arm und sexy, und schon wieder ging das auf Kosten der Kinder, die lieber etwas mehr Geld hätten und mit dem Sexysein nichts anfangen können. So ist das immer gegangen im Werden dieser Stadt, die nie ein Metropolen Bullerbü war und ihre Kinder statt dessen oft in Gefahr brachte wie Erich Kästners Emil. (…) Und bei Fritz Lang geht es gleich um Leben und Tod, wenn die ganze Stadt einen Mörder sucht. Das ist Fiktion, getränkt mit Wirklichkeit.

Berlin ist für eine Kinderstadt zu schnell, zu groß, zu ruppig, zu rastlos, zu hungrig, zu dünnhäutig, zu sarkastisch, zu nachtschwärmerisch, vor allem zu hundevernarrt. (…) Das Gute, das Allerbeste an Berlin aber ist: Niemand bleibt ewig ein Kind, jeder wird erwachsen – und dann nüscht wie hin!!!" von Jakob Strobel y Serra.

Danke Jakob.

Binde dein Kamel fest.

Filed under: Allgemein — 04. Juli 2007

Heute ist einer dieser seltsamen, seltenen Morgen, wo ich schon kurz vor dem Aufstehen dachte: Ja, ich habe eine Chance.

Es ÜBERHAUPT zu schaffen. "Es", alles was ich so tun könnte.

Diese endlosen Listen… Man könnte Folgendes tun, oder auch nichts. Die Dinge sind wichtig, aber eben nicht dringend. Das ist eben Selbständigkeit. Es ist irgendwo eigentlich egal, ob ich neue Flyer bestelle, ob irgendjemand die verteilt. Es ist ja einiges an Werbung getan worden und es werden schon einige Menschen kommen. Aber da ist so ein Gefühl, die kritische Masse erreichen zu können, wo das Ganze irgendwie kippt, wo nicht mehr 40 sondern 100 zahlende Gäste kommen und wir den nötigen Schnitt von 75 magischerweise doch noch erreichen.

Gestern war ich mit meiner ersten Kritikerin essen, sie will ein Interview über die Kids machen. Dann sind die Kids auch noch zum Tag der Deutschen Einheit nach Schwerin eingeladen worden, mit der Frage, was wir denn kosten. Wir werden immer öfter angerufen, das heißt wir werden gesucht und auch gefunden. Dass die Kids der Türöffner sind, liegt einfach an der guten Idee. Die Company wird auf dem Fusse folgen, wenn wir die gute Idee, die auch dieser Gruppe zugrunde liegt, entdecken und formulieren können. Sie ist einfach versteckter, weil mehr Ego im Spiel ist.

Es heisst, es gibt Menschen, die tun und tun und vertrauen nicht auf "Gott". Dann gibt es die, die auf Gott vertrauen und deshalb nichts tun. Selten sind die Menschen, die tun UND auf Gott vertrauen. Die mit Gottvertrauen tun (was auch immer das heissen mag… die Zentrale, die dieses Ökosystem so wunderbar überwacht: meinen Herzschlag und meinen Blutzuckerspiegel).

Ein Scheich kam mit Kamel und Diener an einer Herberge an. Der Scheich sagte zum Diener: versorg Du das Kamel, bitte Allah, es zu beschützen, ich melde uns schon mal an und ging rein. Am nächsten Morgen kamen sie aus der Herberge und sahen, dass das Kamel weg war. "Das verstehe ich nicht", sagte der Diener, " ich habe, wie du gesagt hast, Allah gebeten, das Kamel zu schützen". "Aber hast du es auch festgebunden?", fragte der Scheich. Der Diener verneinte. "Dummkopf", zeterte der Scheich, "Allah HAT KEINE ANDEREN HÄNDE ALS DEINE!"