Gestern letzte Kids Probe vor Sommerferien. War keine Probe in dem Sinne, sondern eine Fotographin von der Morgenpost kam, um für einen Artikel über die Kids ein Begleitphoto zu schießen. Danach sahen wir eine Dokumentation über "Gewalt und Kindheit", den eine Mutter, die Dokumentar-Filmerin ist, fürs Fernsehen gedreht hatte. Als Altervernative zu Videospielen wurde das Theaterspielen bei den Shakespeare Kids gezeigt: Man sah dann die Kiddings sich gegenseitig bis auf den letzten Mann abschlachten mit Luftdegen (eine gestellte Szene aus "Macbeth") zur Musik von James Brown: this is a man`s world.
Zu dieser world gehör ich auch und werde immer mehr A Man. Als vorgestern etwas nicht so lief, wie ich es mir erwünscht hatte, sagte ich: "Ich fühle mich kastriert. "Und so fühlte es sich wirklich an. Ausgeschabt, hohl, leer, abgekämpft.
Ich traf mich mit meinem Business Coach im Einstein unter den Linden und konnte wenigstens sagen, dass ich zum ersten Mal da war. Ich wurde auf eine Latte für 4.-€ eingeladen und mit zwei wichtigen Damen der high society bekannt gemacht. Wenigstens ging mir "dabei keiner ab". Ich weiss, dass es für mein Ziel "Das Globuli – Heilmittel gegen das Präkariat" wichtig ist und so ertrag ich die Wichtigtuerei. Mein Ego jedenfalls gibt mir nicht mehr das Gefühl, dass hier gerade das WUNDERBARE passiert.
Ich werde aggressiv. Ich werde ungerecht. Es gibt immer mehr Gelegenheiten, mich nicht nach kategorischem Imperativ zu benehmen. Und ich bin traurig.
Eine Horoskopdeuterin sagte meiner Mutter mal, sie sei Kindergärtnerin geworden, um Macht über die Kinder auszuüben. Dass sie das antörnt. Wir waren alle relativ entsetzt, meine Mutter war geschockt, wir sagten: Was für eine blöde Kuh, diese arrogante Ziege von Horoskopdeuterin – aber es war nicht nur unwahr, die Aussage.
Wenn ich immer wieder sage, ich scheue noch davor zurück, Regie zu führen, weil ich mit dem andauernden Zweifel der Schauspieler nicht umgehen kann, so stimmt auch das Gegenteil: Die Kids zweifeln nicht alle 5 Minuten an mir. Nicht weil sie wissen, dass ich Recht habe, sondern weil der Zweifel noch nicht so institutionalisiert ist bei ihnen. Und sie haben keine Wahl. Ich gewinne eh – meine Macht ist so eindeutig größer. Nutze ich das aus? Nutze ich die Kids nicht doch irgendwie aus? Zur Selbstbefriedigung? Mindestens, um ihnen "den Erfolg zu schenken", den ich gerne gehabt hätte? Als Kind hat man ja irgendwie mehr Chance, als Künstler aufzufallen, weil es nicht so viele gibt…
Da war ein berührender Artikel in der FAZ. HUND BEISST KINDERWAGEN. Ein Artikel über den Bildband "Berlin" – Über dem Artikel: Ein Foto eines Tanzbärs, der durch die Straße geschleift wird.
"Berlin ist vieles und hat alles, nur eines wollte es nie sein: eine Kinderstadt. Natürlich kann man dort wunderbar mit Kindern leben und Millionen Mädchen und Jungen in Berlin sind glücklich gross geworden. Doch jeder, der mit Kindern oder als Kind in der Hauptstadt gewohnt hat, weiß wie schwer es sich manchmal mit kleinen Menschen tut – um dann festzustellen, dass es anderswo in Deutschland auch nicht anders ist. (…)
Man sieht immer wieder fröhliche Kinder, denen das Lachen auf eigentümliche Weise im Hals stecken zu bleiben scheint. Das ist kein Wunder, denn die Geschichte Berlins ist nie im Kinderschritt gegangen. Von Anfang an hatte es die Stadt eilig, erwachsen zu werden. Zwei Generationen Zeit nahm sie sich, um von der preussischen Residenz zur Weltstadt anzuschwellen, dieses Tempo überfordert jedes Kind.
Dann kam eine Diktatur, die Kinder an die Front schckte, dann der Mauerbau, dann wurden die armen Kinder nach Westdeutschland verfrachtet, damit sie auch einmal eine Kuh sehen. Dann fiel die Mauer, Berlin wurde arm und sexy, und schon wieder ging das auf Kosten der Kinder, die lieber etwas mehr Geld hätten und mit dem Sexysein nichts anfangen können. So ist das immer gegangen im Werden dieser Stadt, die nie ein Metropolen Bullerbü war und ihre Kinder statt dessen oft in Gefahr brachte wie Erich Kästners Emil. (…) Und bei Fritz Lang geht es gleich um Leben und Tod, wenn die ganze Stadt einen Mörder sucht. Das ist Fiktion, getränkt mit Wirklichkeit.
Berlin ist für eine Kinderstadt zu schnell, zu groß, zu ruppig, zu rastlos, zu hungrig, zu dünnhäutig, zu sarkastisch, zu nachtschwärmerisch, vor allem zu hundevernarrt. (…) Das Gute, das Allerbeste an Berlin aber ist: Niemand bleibt ewig ein Kind, jeder wird erwachsen – und dann nüscht wie hin!!!" von Jakob Strobel y Serra.
Danke Jakob.